Zuerst verfolgen sie mich. Dann werden sie zu meinen Begleitern. Und irgendwann kann ich sie schließlich hinter mir zurück lassen...
Ich bin seit fünf Minuten unterwegs... und es fühlt sich schon nach fünf Stunden an. Genau so viele liegen noch vor mir. Die Hitze verbrennt mich, und die Luft ist so dick, dass ich sie kaum in meine Lunge atmen kann. Wie soll ich das aushalten? Der Gegenwind ist gnadenlos. Immer wieder bläst er mir Sand in mein Gesicht. Ich beuge mich tief über den Lenker, um ihm keine Angriffsfläche zu bieten, aber ich entkomme ihm nicht. Selbst wenn ich mich unter mein Rad legen würde, wäre ich nicht schneller als beim Laufen... Mein Kopf ist voller Gedanken: der Asphalt ist so rauh, die Beine tun so weh, ich kann kaum noch sitzen...Der Tacho verspottet mich mit 15 km/h. Ich will einfach stehenbleiben. Trotzdem fahre ich weiter!
Ich bin seit fünfzig Minuten unterwegs... meine Augen suchen die Wüste rund um mich vergeblich nach einem Punkt ab, an dem sie rasten können. Ein Hügel folgt dem nächsten, folgt dem nächsten, folgt dem nächsten... In meinen Kopf schleichen sich Szenen aus meiner Vergangenheit. War da gerade wirklich eine Ziege? Tausend Erinnerungen wechseln mit ebenso vielen Vorstellungen einer möglichen Zukunft. Ein Bus fährt mich von hinten fast über den Haufen! Die Aggressionen gegen den blöden Fahrer holen mich nur kurz in die erbarmungslose Realität zurück. Ich ergebe mich wieder den unwirklichen Bedingungen. Die Glut um mich, jagt kalte Schauer durch meinen ganzen Körper. Trotzdem fahre ich weiter!
Ich bin seit hundertfünfzig Minuten unterwegs... ich habe Durst, und nichts mehr zu trinken. Ich weiß nicht, ob der Schmerz aus meinem Körper gewichen ist, oder ob ich mich einfach daran gewöhnt habe. Der gleichmäßige Rhythmus des Tretens spiegelt sich in der Frequenz meines Atmens wieder. Das Kurbeln wird zu einem Mantra. Die Monotonie verbreitet eine meditative Energie in mir, welche die Gedanken immer mehr aus meinem Kopf spült, bis schließlich nur mehr das hundertprozentige Bewußtsein des Augenblicks bleibt. Ich bin jetzt endlich unterwegs. Ich habe mich auf eine Reise gemacht, die an jenem Moment endet, der ewig dauert.