Eiskalte Leidenschaft







Warum ich die eisigen Höhen aufsuche und was ich dort finde.

Wer möchte nicht gerne einmal seinem Alltag entfliehen und ein Abenteuer erleben.Mein Training ist auch oft langweilig, vor allem die langen Ergometereinheiten.Das Einzige was man hier erlebt, ist ein monotoner Kraftakt in dem man sich so bemüht und doch nie einen Meter vorwärts kommt.Die 17 Staffeln Simpsons von meinem Bruder geben dem surrealistischen Streben noch die richtige sarkastische Note.Dagegen ist so ein Aufstieg in luftige Höhen einzigartig.

Um diese Jahreszeit muss man je nach Umgebung die Schi schon eine zeitlang tragen.Es ist früh am Morgen.Man geht am weichen Waldboden entlang mit den nicht ganz so weichen Schischuhen.Hin und wieder tritt man fast auf eine kleine Pestwurz die sich durch den Erdboden ins frei drückt.Der Weg ist gesäumt von Schneerosen und Leberblümchen, die einem bis zum großen weißen Teppich begleiten.

Nun endlich muss man die Schi nicht mehr tragen. Ein warmer Aufwind und der firnige Schnee lassen einem jetzt schon an die Abfahrt denken, aber da liegen noch 1600hm vor einem.Unglaublich welche Schneemassen dieser Winter gehortet hat. Vorbei an den Jagdhütten von welchen oft nur das Dach erkennbar ist dabei haben wir es schon Ende März. Endlich der Wald wird immer lichter und ich komme zur letzten Wiese vor dem Grad.

Am Grad entlang bietet sich eine wahnsinns Kulisse.

In den Gräben sieht man wie sich die schweren Schneemassen zu Tal wälzen. Immer wieder vorbei an großen Wechten. Die Gewalten der Natur lassen einem so klein und machtlos erscheinen. Ein Schauspiel in dem du höchstens Statist bist. Hier finde ich eine berauschende Schönheit ,aber auch einen übermächtigen Gegner.

Endlich der letzte Aufschwung zum Gipfel. Die Hügel rundherum sind abgeblasen und eine große Herde Gämse freut sich über die mageren Grasbüschel die der Winter übrig lies.

Weit und breit keine Schispuren. Die idyllische Einsamkeit wird durch den Wind und die begleitende Gewitterfront getrübt. Am Gipfel angelant weht ein resches Lüftchen. Nachdem ich schon zweimal meinen Rucksack vor dem Absturz retten musste, habe ich beschlossen gleich am Boden liegen zu bleiben und kniend meine Fälle zu verstauen. Dabei kann ich mich nötigenfalls in den Schnee krallen wenn die nächste Böe kommt.

Die ersten Meter der Abfahrt waren so schnell wie beim Aufstieg. Leider bin ich kein Schispringer, aber bei dem Wind würde sogar ich von jeder Schanze fliegen.

Der Schnee hier oben ist keineswegs mein erträumtes Firnparadies, sondern eine windgepresste Oberfläche, die einem bei jeden Schwung einbricht… …aahh mir brennen jetzt schon die Beine.Jetzt endlich wird der Schnee richtig matschig.Kurz bevor es in den Abfahrtsgraben hineingeht schaltet man doch besser das Pieps ein, obwohl ich kaum glaube das man aus einer Lawinen bei so einem betonartigen Schnee Lebend geborgen werden kann.

Der Graben ist jetzt das wahre Abendteuer, denn da fährt das Adrenalin auch mit. Am Ende des Tages freue ich mich schon auf die nächste Ergometereinheit daheim im sicheren Wohnzimmer .